Die Rohfasern der gepresste Ballenware werden in Öffneraggregaten
geöffnet, entstaubt und gegebenenfalls eingekürzt. Die Stapelfaserlänge des
Verarbeitungsgutes liegt zwischen 50 und 70 mm. Durch das Einkürzen kann
sich je nach Faserart die Faserfeinheit (Titer / Nm) ändern.
Bei Hanffasern, die zu der Pflanzengattung der Bastfasern gehören,
entscheidet u.a. die Bakterieneinwirkzeit während der Feldröste (Rotte) über
den Anteil der Feinfaseranteile.
Die nach dem Aufschluss gebildeten Faserflocken werden nach dem
passieren der Misch- und Legebänder in einem speziellen Vliesbildner mittels
Luft zu einem breitflächigen, homogenen Vlies gelegt. Diese Vlies wird
anschließend kontinuierlich mechanisch mit oder ohne Trägerstruktur
vernadelt. Die Fasern haben eine isotrope (in allen Richtungen) orientierte
Lageanordnung.
Die Stichdichte und das Flächengewicht (500 - 2000gr/qm), sowie die
Geometrie und Feinheit der Faser bestimmen durch die besonderen
Eigenschaftsmerkmale den Einsatz und die Verwendungsbreite des
gefertigten Nadelfilzes.
Die Ware verlässt anschließend als Rollen, Streifen oder Mattenware die
Maschinenanlage. Zum Transport werden die Produkte auf Europalette oder
in Einzelfällen per Paket dem Kunden zugestellt.
ökologie
Durch den Einsatz von Pflanzenfasern, die ohne Pestizide und Insektizide
erzeugt werden, können große Mengen an CO2 gebunden werden.
Hanffaserprodukte sind allergikerfreundlich, eiweisfrei und bestehen zum
größten Teil aus Cellulose, Hemicellulose, Lignin und Pektinverbindungen.
In unserer Produktionsanlage werden pro 1qm gefertigter Flächenware nicht
mehr als 0,2 KWh verbraucht. Aus der Ökobilanz der Rohfasererzeugung
selbst (Erstfaseraufschluss) wurde ein elektrischer Leistungsverbrauchswert
(Primärenergie) von etwa 1,5 KWh / 1 Kg Hanffasern ermittelt. Bei
zeitgemäßen, wirtschaftlichen Anbau und Ernteverfahren werden bei der
Verarbeitung von 1 Kg Hanffasern wesentlich mehr CO2 im gewonnenen
Rohstoff gespeichert, als zu seiner Erzeugung erforderlich sind.
Diese ermittelten Ergebnisse sind im Vergleich zu anderen Produkten aus
nicht organisch gewachsenen Fasern vorbildlich.
Hanffasern tragen zur Reduzierung der CO2 Belastung in der Atmosphäre
bei und wirken dadurch gegen den Treibhauseffekt.
Produkte aus Pflanzenfasern sind völlig problemlos in den Kreislauf des
"Entstehens und Vergehens" einzugliedern.
brandschutz
Alle vernadelten Hanf oder Flachsfaserfilze erreichen durch die Dichte des
Materials unabhängig vom Flächengewicht die Baustoffklasse B2 nach der
DIN 4102.
Eine zusätzliche Brandschutzausrüstung ist nicht erforderlich. Ungebundene
Stopffasern wie Kardenband und Stopfwolle entsprechen ebenfalls der
Baustoffklasse B2 sofern eine Materialverdichtung während des unmittelbaren
Einbaues von über 60 kg/qm durchgeführt wird.
dämmwert
Der Dämmwert ist der Widerstandswert der den ermittelten realen
Wärmeverlust unter Bezug der Temperaturdifferenz darstellt. Im
wesentlichen wird ein gute Wärme- oder Kältedämmung erreicht, in dem
die Binnenkonvektion der Luft, die sich im Fasergut befindet reduziert wird.
Luftmengen, die sich zwischen den groben und feinen Fasern befinden,
sollen möglichst nicht bewegt werden.
Je höher die angestrebte Feinfaserkammerung und je geringer der
Luftabfluss aus dem Fasergut, um so wirtschaftlicher und besser ist der
Dämmeffekt. Zur Vermeidung des Luftabflusses sind diffusionsoffene
Windbremsbahnen einzusetzen.
schallentkopplung und trittschalldämmung
Beim Einbau von Dämmfilzen im Wand, Decken und Bodenbereich wird der
ungewünschte Körper- und Luftschallwert absorbiert.
Schallentkopplungsfilze unter Lagerhölzern im Bodenbereich entkoppeln auf
diese Weise den Körperschall. Dennoch ist auf eine möglichst hohe Masse
beim Einbau von tragenden Holzböden oder anderen Bauelementen in
Gebäuden zu achten.
Die komprimierten Fasen unter einem „schwimmend“ verlegten Boden
schlucken die Körperschallwellen und unterbrechen damit wirkungsvoll die
Schallausbreitung.
sorptionsfeuchte
Hanffasern und andere Naturfasern nehmen Feuchtigkeit auf. Sie sind
entsprechend ihrer Charakteristik mehr oder weniger hygroskopisch
veranlagt. Durch das Vermögen während der Trockenheit die Feuchtigkeit
wieder an die Umgebungsluft abzugeben, wirken diese Fasern klimaregulierend.
Die Sorptionsfeuchte stellt sich im Verhältnis zur Umgebungsfeuchttigkeit ein.
Die Fasern und deren daraus gefertigten Produkte nehmen also nur eine
bestimmte Menge an Feuchtigkeit auf, bis sich ein Gleichgewicht zu der
Umgebung eingestellt hat. Kennlinien und Sättigungsgrade können bei
Bedarf aus speziellen Sorptionsisothermen für die gewünschte Faserart
ermittelt werden. Naturfaserprodukte sind aus diesem Grund diffusionsoffen
einzubauen.